Archiv für Juli, 2011
Bundesstraße 1 Komplett – Teil 1
Würde man mein Geburtstagsgeschenk im Laden kaufen können, würde man am Tresen „Einmal die B1 komplett“ bestellen. Die Verkäuferin würde etwas erstaunt schauen, würde vielleicht „in Teilen oder ganz“ fragen und das übergroße Geschenk in den Einkaufswagen wuchten.
Aber starten wir am Anfang. Ich wusste nun schon seit zwei Monaten, dass ich ein Geburtstagsgeschenk meines besten Freundes bekommen sollte, es sollte eine Überraschungsreise über zwei Tage werden. Ich hatte keine Idee wo es hingehen sollte und so war ich voller Vorfreude als ich am Samstagmorgen um 7 Uhr im Auto Richtung Osten saß. Der Abend davor war nach einem Bad Religion-Konzert etwas außer Kontrolle geraten und so brummte mein Schädel ordentlich, was die Kombination der wenigen Informationen um das Ziel der Fahrt nicht vereinfachte.
Stephan, der aus ähnlichen Gründen mit Sodbrennen zu kämpfen hatte, war sehr entzückt, aufgrund meiner Ratlosigkeit als wir in Kostrzyn standen und hier mein Geburtstagsgeschenk beginnen sollte. Des Rätsels Lösung: Mein Geschenk war ein Roadtrip über die komplette B1 von der polnischen zur niederländischen Grenze. Die Faszination daraus ist schwer zu Beschreiben, man kann es sich als „Deutschland TV“ vorstellen. So wie ein Tag vor dem Fernseher, man flezt sich im Autositz gemütlich hin und schaut die Gegenden die vorbeirauschen, die immer wieder Gesprächsthemen hereinwerfen, sei es durch schöne Landschaften, obszöne Frisuren oder hässliche Dörfer. Ein durch die Umgebung gesteuerter Gesprächsfluss entsteht.
Dazu ist dieses Deutschland-TV sehr interaktiv, man kann den Film anhalten und indem man das Auto verlässt und in das Geschehen einsteigt.
Aufgrund eines strammen Programms, Schließlich wollten wir der Route an diesem Tag bis nach Dortmund folgen, konnten wir leider nicht soviele Unterbrechungen einbauen.
Kurz nach der polnischen Grenze sollte das erste Etappenziel Berlin sein. Bis dorthin ging es über Brandburger Landstraßen. Die Häuser in diesem bereich sind digital – Renoviert oder total verfallen, ein bisschen heruntergekommen oder fast neu gibt es nicht. So hat jeder Ort seinen eigenen Binärcode.
Es dauerte nicht lange und wir erreichten Berlin. Hier war auch unser erster Stopp:
Das Dong-Xuan-Center, ein riesiger asiatischer Markt, auchgeteilt in mehreren Hallen. Hier fühlt man sich als deutscher Fremd und kann eintauchen in eine Welt aus Nippes und Glasnudeln.
Mehrere Hallen locken die Besucher im Dong-Xuan-Center
Asiatische Atmosphäre, besonders die Nase erlebt jeden Meter neue Düfte
Die Strecke durch Berlin zog und wurde zum Zeitkiller, über die Glienicker Brücke, einst Austauschort von Agenten zwischen Ost- und West ging es über Potsdam wieder aufs Land.
Es sollten mehr Smileys an Autobahnen angebracht werden.
Über Burg, wo wir etwas Autosightseeing betrieben, ging es am A2-Smiley vorbei weiter nach Magdeburg, hier verließen wir die B1, die sich zur Umgehungsstraße mauserte und fuhren zum Dom und zum Hundertwasserhaus.
Weiter ging es durch Einfachnurhässlichbraunschweig in bekanntes Terrain: Stephan ist in Hildesheim aufgewachsen und so ließen wir es uns nicht nehmen, seine Eltern zu besuchen. Die aber nicht da waren, was solls, zwei- drei Kleine Details in der Wohnung verändern, Kartoffelchips wegessen und weitergehts.
Braunschweiger Bäcker auf Zeitreise
Impressionen aus einer Hildesheimer Wohnung
Urlaubserinnerungen, gefunden in einer Hildesheimer Wohnung
Nachdem wir Hameln passiert haben und der Wohnung einer guten Freundin zugewunken haben – keine Zeit – war unser nächstes Ziel ein Kurzbesuch bei den Extersteinen. Das Kassenhäuschen hatte schon geschlossen und so war diese ehemalige Kultsstätte kostenlos begehbar.
Hier sind leider keine tollen Fotos entstanden
Essen wollten wir auch Stilecht an einem typischen Bundesstraßenimbiss. Das Schnitzel, aufgewärmt in der Mikrowelle erfüllte sein Klischee und der Besuch eines Stammgastes, der jeden Tag nach der Arbeit dort sein Abendbrot aß, lies Mitleid mit seinem Magen aufkommen.
Die Schlussetappe fuhren wir durch das dunkle, verregnete Unna und plötzlich fanden wir uns hier wieder:
Neinnein, nach Deutschland-TV wollten wir uns um kurz vor Mitternacht nicht auch noch ein Hollywoodfilmchen antun. Hier holten wir unseren Gastgeber für die viel zu kurze Nacht ab. Er war, während wir durch die halbe Republik brausten mit dem führen eines Kinos beschäftigt. Zu Potterzeiten eine stressige Aufgabe. Das nächtliche Gespräch rund ums Reisen hätte noch Stunden weitergehen können, aber die Vernunft lies uns um kurz nach Eins ins Bettchen fallen – wollten wir doch am nächsten Tag früh los, den Rest der B1 und einige weitere Attraktionen genießen.
Impressionen aus einer Dortmunder Wohnung
Sehr wenig B1, dafür ein Freizeitpark in Belgien, Pitpat in Dortmund und eine besondere Überraschung für mich gab es am zweiten Tag, welcher hier passenderweise bald als Teil 2 veröffentlicht wird.
Italien 2011: Großglockner-Hochalpenstraße
Nachdem wir uns Caorle Etappenweise genähert haben, musste die Rückfahrt an einem Tag vollzogen werden. Da unsere Reise in Bad Zwesten begonnen wurde und ich noch nach Berlin musste ergab sich die stolze Summe von 1400 km. Um die Rückfahrt um eine Attraktion zu bereichern wählten wir als Alpenüberquerung die Großglockner-Hochalpenstraße.
Die Hochalpenstraße ist keine normale Straße sondern kompletter Irrsinn. In den 1930erjahren, als der Wunsch nach Mobilität und eine hohe Arbeitslosigkeit viele interessante Straßenbauprojekte hervorgebraucht haben, wurde diese Straße gebaut. Stichstraßen, die nicht nur die Berge überqueren sondern auch auf Berggipfeln enden, zeigen, dass es als touristische Attraktion angelegt wurde.
Nun war unser Reiseauto nicht mehr der Jüngste und im Freundesdunstkreis als das am wenigsten gewartete verschrien. Trotzdem – und das finden alle erstaunlich hat der kleine Fabia bereits 280.000 km auf dem Buckel. Dieses Mal wollte er sich aber Rächen für die Strapazen der letzten Jahre.
Und so zeigte uns der Fabia schon vor dem Beginn der Hochalpenstraße, vor der Mautstation, dass er eigentlich keine Lust mehr auf rund 50.000 km im Jahr hat und lieber irgendwo in Afrika sein Lebensabend verbringen will (wo er wahrscheinlich liebevoller gewartet wird). Um auf sich aufmerksam zu machen, ließ der Fabia einfach sein Kühlwasser auf den heißen Motorblock tropfen, was zu einer ordentlichen Dampfwolke aus dem Motorraum führte. (Nicht im Bild: Dampfwolke)
Stephan ließ nur die Option eines einmaligen Vorgangs zu und füllte den Kühlwassertank wieder auf. Während der Fahrt war aufgrund des kalten Fahrtwindes auch alles in Ordnung, nur als wir am Nationalparkplatz ankamen und der Verkehr sich staute gab es wieder die altbekannte Wolke. Diesmal entschieden wir uns ob der Steigungen die noch kommen sollten einen Fachmann mit dieser Leckage zu beauftragen. Ein Telefonat mit der Autoversicherung, die aufgrund eines Extrapolice damit beauftragt war, vermittelte uns einen Mechaniker und die Botschaft, dass es nicht teuer werden sollte.
Wir mussten nun also ca. 3 Stunden auf den Mechaniker warten. Es gibt zwar schlimmere Orte als bei dieser Aussicht, allerdings war es aufgrund der bevorstehenden Strecke, der sich jetzt immer weiter hinziehenden Vorfreude auf die Liebste zuhause und der Tatsache, dass man den Mechaniker schon 2 Kilometer vorher sehen konnte doch sehr nervig.
Der Mechaniker brachte nicht nur das Auto in Ordnung, sondern wir lernten auch ca. 200 Schimpfwörter im Österreichischeren Dialekt (Wovon ich aber wieder alle vergessen habe).
Ich bitte die B-Säule des Fabias rechts im Bild zu entschuldigen
Nachdem die Stelle provisorisch zusammengeflickt wurde, durften wir weiter durch traumhafte Landschaften, die man sonst nur beim Wandern zu Gesicht bekommt fahren und schafften auch die höchste Stelle der Tour, die Edelweißspitze (2557 m.ü.A.)
Aus der geplanten Ankunftszeit von 22 Uhr in Berlin wurde 4 Uhr Morgens. Aber wir waren um ein Erlebnis reicher. Das Provisorium, dass laut dem Mechaniker schnellstmöglich ersetzt werden sollte ist auch heute noch ca. 50 Tage nach der Panne nicht ersetzt worden. Aber der kleine Fährt noch immer.
Italien 2011: Caorle
Der letzte Tag unserer Reise begann frustrierend. Während Italien uns die vorherigen Tage mit Bilderbuchwetter versorgte, fühlte es sich an diesem Tag eher nach Sommer in Dänemark an. Bewölkt und windig. Auch die unbefriedigende Suche nach einem Supermarkt, der unsere Einkaufslust stillen konnte hebte die Laune nicht unbedingt.
Caorle ist ein in den 60erjahren stark und hässslich gewachsener Ort. Die Altstadt ist schön, daran schmiegen sich aber Mietkasernen die durch viele bunte Farben Urlaubsflair vermitteln sollen. In Zeiten von Billigfliegern hat Caorle mit den gleichen Problemen wie Blackpool zu kämpfen. Die Übernachtungszahlen sanken von stolzen 9 Millionen auf 6 Millionen und auch eine Infiltration der Mafia ist auch für den Urlauber nicht zu übersehen.
Unser Campingplatz lag an der Lagune, welches nicht nur schön für Menschen, sondern auch schön für Mücken ist. So konnten wir eine juckende Andenken mit nach Hause nehmen.
Aber dieser Eintrag klingt depressiver als der Besuch eigentlich war. Die Schlechtwetterphase hielt auch nur kurze Zeit an, Mittags zog es auf. Der wunderschöne Sandstrand, ein entspannender Urlaubsausklang und eine schöne Altstadt sowie ein ausufernder Spaziergang mit einer Badesiesta am Pool mit Leihbadekappen hebten die Stimmung wieder. Auch das Abschiedsessen in einem italienischem Restaurant mit einem Kellner, der sich auf unnachahmlicher Art um einen kümmert (fast Väterlich) zeigten wieder, warum Italien mir als Urlaubsland sehr ans Herz gewachsen ist.
Strandimpressionen:

Alle haben Spaß auf dem Fliederfest

Gute Nacht, Caorle, war schön hier!

Die Urlaubsberichte sind hiermit aber noch nicht vorbei:
Die Rückfahrt brachte ein geplantes Highlight und eine ungeplante Überraschung mit sich.














































