Archiv für 29. Juli 2011

Bundesstraße 1 Komplett – Teil 1

Würde man mein Geburtstagsgeschenk im Laden kaufen können, würde man am Tresen „Einmal die B1 komplett“ bestellen. Die Verkäuferin würde etwas erstaunt schauen, würde vielleicht „in Teilen oder ganz“ fragen und das übergroße Geschenk in den Einkaufswagen wuchten.

Aber starten wir am Anfang. Ich wusste nun schon seit zwei Monaten, dass ich ein Geburtstagsgeschenk meines besten Freundes bekommen sollte, es sollte eine Überraschungsreise über zwei Tage werden. Ich hatte keine Idee wo es hingehen sollte und so war ich voller Vorfreude als ich am Samstagmorgen um 7 Uhr im Auto Richtung Osten saß. Der Abend davor war nach einem Bad Religion-Konzert etwas außer Kontrolle geraten und so brummte mein Schädel ordentlich, was die Kombination der wenigen Informationen um das Ziel der Fahrt nicht vereinfachte.

Stephan, der aus ähnlichen Gründen mit Sodbrennen zu kämpfen hatte, war sehr entzückt, aufgrund meiner Ratlosigkeit als wir in Kostrzyn standen und hier mein Geburtstagsgeschenk beginnen sollte. Des Rätsels Lösung: Mein Geschenk war ein Roadtrip über die komplette B1 von der polnischen zur niederländischen Grenze. Die Faszination daraus ist schwer zu Beschreiben, man kann es sich als „Deutschland TV“ vorstellen. So wie ein Tag vor dem Fernseher, man flezt sich im Autositz gemütlich hin und schaut die Gegenden die vorbeirauschen, die immer wieder Gesprächsthemen hereinwerfen, sei es durch schöne Landschaften, obszöne Frisuren oder hässliche Dörfer. Ein durch die Umgebung gesteuerter Gesprächsfluss entsteht.
Dazu ist dieses Deutschland-TV sehr interaktiv, man kann den Film anhalten und indem man das Auto verlässt und in das Geschehen einsteigt.

Aufgrund eines strammen Programms, Schließlich wollten wir der Route an diesem Tag bis nach Dortmund folgen, konnten wir leider nicht soviele Unterbrechungen einbauen.

Impressionen aus Brandenburg

Brandenburger Weite…

Kurz nach der polnischen Grenze sollte das erste Etappenziel Berlin sein. Bis dorthin ging es über Brandburger Landstraßen. Die Häuser in diesem bereich sind digital – Renoviert oder total verfallen, ein bisschen heruntergekommen oder fast neu gibt es nicht. So hat jeder Ort seinen eigenen Binärcode.

Willkommen in Berlin-Ost

Es dauerte nicht lange und wir erreichten Berlin. Hier war auch unser erster Stopp:
Das Dong-Xuan-Center, ein riesiger asiatischer Markt, auchgeteilt in mehreren Hallen. Hier fühlt man sich als deutscher Fremd und kann eintauchen in eine Welt aus Nippes und Glasnudeln.

Mehrere Hallen locken die Besucher im Dong-Xuan-Center

Hinterhofatmosphäre

Asiatische Atmosphäre, besonders die Nase erlebt jeden Meter neue Düfte

Die Strecke durch Berlin zog und wurde zum Zeitkiller, über die Glienicker Brücke, einst Austauschort von Agenten zwischen Ost- und West ging es über Potsdam wieder aufs Land.

Es sollten mehr Smileys an Autobahnen angebracht werden.

Über Burg, wo wir etwas Autosightseeing betrieben, ging es am A2-Smiley vorbei weiter nach Magdeburg, hier verließen wir die B1, die sich zur Umgehungsstraße mauserte und fuhren zum Dom und zum Hundertwasserhaus.

Hundertwasser

Kein Hundertwasser

Weiter ging es durch Einfachnurhässlichbraunschweig in bekanntes Terrain: Stephan ist in Hildesheim aufgewachsen und so ließen wir es uns nicht nehmen, seine Eltern zu besuchen. Die aber nicht da waren, was solls, zwei- drei Kleine Details in der Wohnung verändern, Kartoffelchips wegessen und weitergehts.

Braunschweig, pfui!

Braunschweiger Bäcker auf Zeitreise

Impressionen aus einer Hildesheimer Wohnung

Urlaubserinnerungen, gefunden in einer Hildesheimer Wohnung

Nachdem wir Hameln passiert haben und der Wohnung einer guten Freundin zugewunken haben – keine Zeit – war unser nächstes Ziel ein Kurzbesuch bei den Extersteinen. Das Kassenhäuschen hatte schon geschlossen und so war diese ehemalige Kultsstätte kostenlos begehbar.

Hier sind leider keine tollen Fotos entstanden

Essen wollten wir auch Stilecht an einem typischen Bundesstraßenimbiss. Das Schnitzel, aufgewärmt in der Mikrowelle erfüllte sein Klischee und der Besuch eines Stammgastes, der jeden Tag nach der Arbeit dort sein Abendbrot aß, lies Mitleid mit seinem Magen aufkommen.

Direkt an der B1

Die Schlussetappe fuhren wir durch das dunkle, verregnete Unna und plötzlich fanden wir uns hier wieder:

Neinnein, nach Deutschland-TV wollten wir uns um kurz vor Mitternacht nicht auch noch ein Hollywoodfilmchen antun. Hier holten wir unseren Gastgeber für die viel zu kurze Nacht ab. Er war, während wir durch die halbe Republik brausten mit dem führen eines Kinos beschäftigt. Zu Potterzeiten eine stressige Aufgabe. Das nächtliche Gespräch rund ums Reisen hätte noch Stunden weitergehen können, aber die Vernunft lies uns um kurz nach Eins ins Bettchen fallen – wollten wir doch am nächsten Tag früh los, den Rest der B1 und einige weitere Attraktionen genießen.

Impressionen aus einer Dortmunder Wohnung

Sehr wenig B1, dafür ein Freizeitpark in Belgien, Pitpat in Dortmund und eine besondere Überraschung für mich gab es am zweiten Tag, welcher hier passenderweise bald als Teil 2 veröffentlicht wird.

29. Juli 2011 at 12:32 Hinterlasse einen Kommentar


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