Artikel getaggt mit ‘Schleswig-Holstein’

Helgoland

Funkstille im Blog? Gemeinerweise hat meine Kamera vor zwei Wochen seinen Geist aufgeben und wartet momentan auf Reperatur. Dazu kam noch ein zeitweiliger Ausfall meines Internetanschlusses. Alles natürlich Ausreden, aber diese beruhigen mein Gewissen.

Zeitreise. Wir befinden uns im Spätsommer, genau am 17.09. Ich habe die unschöne Aufgabe, den 400 km weit angereisten Freunden, die zwecks eines Helgolandbesuches den hohen Norden aufsuchen, zu erzählen, dass aufgrund des Sturms die Fährüberfahrt zur einzigen Hochseeinsel Deutschlands ausfällt. Die Enttäuschung soll auf einer Kneipentour durch Marienhafe ertränkt werden und wir können uns glücklich schätzen, dass wir es bei einer Unterhaltung geschafft haben einen unserer Reiseteilnehmer so zu langweilen, dass er sein Smartphone zücken und die virtuelle Welt, der Reellen vorzog.

Diese Aktion war nicht nur unhöflich, sondern auch nutzbringend. Hat das Smartphone doch nach Eingabe der richtigen Suchwörter hervorgebracht, dass neben den ganzen „normalen“ Bäderschiffen auch ein Allwetterversorgungsschiff ab Cuxhaven fährt und diesem war der gemeldete Sturm egal – den Insassen aber nicht, wie wir später herrausfinden sollten.

Die ca. 100 km weitere Anfahrt zum Fähranleger Cuxhaven verkürzte unsere Nacht natürlich unangenehm – aber trotzdem waren wir froh doch noch irgendwie auf die Schnapsinsel zu kommen. Die Überfahrt war schon ein Erlebnis für sich: Während am Anfang, bei den ersten Wellen, noch super Stimmung auf dem Schiff war wurde es mit der Zeit immer ruhiger. Nach ca. einer Stunde ununterbrochenes auf- und ab- rebellierten die ersten Mägen und blasse Gestalten rannten Richtung Bordtoilette. Was hier noch die Ausnahme war, wurde später zur Regel. Die Hälfte der Passagiere hockte in den Gängen oder auf den Toiletten, auf diesen herrschte, wie ich mir sagen lassen habe, eine interessante Geräuschkulisse, und wartete verzweifelt auf die noch Stunden entfernte Ankunft. Das Service-Personal, welches sonst für die Bewirtung zuständig war, stellte, mangels Nachfrage diese Dienstleistung ein und verteilte die heisbegehrten Papiertüten. Darüber, wer in unserer Reisegruppe diese Tüten benötigte und füllte werde ich mich in diesem Blog nicht äussern – nur soviel: Genau die Hälfte der Gruppe war betroffen – und davon keine Männer.

Mit dem Anlegen legte sich auch die Seekrankheit wie im nuh und Helgoland begrüßte uns mit einer steifen Briese und… Sonnenschein. Das Festland war weiterhin unter einer dicken Wolkenschicht begraben, die oft und gerne Wasser von sich gab. Schon nach wenigen Minuten begann eine Arroganz in uns aufzukeimen, die ich von schon von meinen bisherigen Besuchen kannte: Wir waren Übernachtungsgäste, ca. ¾ der Besucher allerdings Tagesgäste. Man kann Helgoland zwar an einem Tag besuchen, der vierstündige Inselaufenthalt reicht locker für ein Spaziergang durch die Fußgängerzone und einen Rundgang übers Oberland. Mit Einkaufstüten voller Schnaps und Zigaretten findet man sich wieder auf der Fähre. Das war dann eine Aktion- ein Ausflug, aber kein Urlaub, man kann mit ein wenig mehr Geldeinsatz aus den 4 Stunden Inselaufenthalt 28 Stunden Inselaufenthalt. Und schon hat man die Ruhe, die Insel aufzusaugen, die Helgoländer Gelassenheit kennenzulernen und ohne auf die Uhr zu gucken und ein Wochenende „in einer anderen Welt“ zu verbringen.

Wir entschieden uns für das bestgelegenste Hotel auf der Insel, es nennt sich „Deutsche Jugendherberge Helgoland“, ist aber aufgrund der einzigartigen Lage und des für Inselverhältnisse günstigen Preises von allen Altersgruppen bewohnt, Kinder habe ich wenige gesehen, Rentner um so mehr. Die Jugendherberge befindet sich auf der Nordseite der Insel, weit weg von dem eigentlichen Ort und wunderschön am Strand und an den Felsen gelegen.

Auf der Nachbarinsel „Düne“ gibt es zwar auch günstige Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Zeltplatz oder im Bungalowpark, allerdings fährt die letzte Verbindungsfähre relativ früh und da wir zum Abend hin noch Essen- und trinken gehen wollten, kam dies für uns nicht in Frage.

Ganz klares Hightlight unserer alle zwei Jahre stattfindenen Helgolandtouren ist ein Tagesabschlussspaziergang über das Oberland mit Halt an jeder Bank. Das hier auch mal ein Schnäpschen getrunken wird, versteht sich von selbst. Dieses Jahr war es schon ob des Windes eine sportliche Herrausvorderung.

Ein Tipp ist die Bunkerführung, hier erfährt man viel über die bewegte Geschichte Helgolands. Lustig war die Ansicht einer Helgoländerin zum Thema Bunkerführung, sie hat uns mit den Worten „Da geht man ja nur eine Treppe runter durch einen Gang, sieht den Mutter-Kind Bunker und auf der anderen Seite wieder raus.“ von der Führung abgeraten. Das ist in etwa so, wie wenn man ein Kinobesuch mit den Worten „Da geht man ja nur in einen Raum setzt sich hin und nach 90 Minuten geht man wieder raus.“ beschreiben würden.

Trotz noch immer stürmischen Wetters verlief die Rückfahrt sehr ruhig. Und so kamen wir wieder wohlbesonnen ans Festland an. Helgoland, wir kommen wieder in zwei Jahren und dann natürlich wieder für zwei Tage. Eintagestouris sind doof!

20. Oktober 2010 at 19:14 Hinterlasse einen Kommentar


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