Alpenüberquerung 2016: Fazit

Ich bin an der Nordspitze des Gardasees angekommen. Es geht mir gut, ich muss überraschend einen Tag ohne Programm rumbekommen und auf die Liebste mit Familie warten.

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Es gibt schlimmere Orte….

Riva und Turbel haben eine tolle Atmosphäre. Ich war hier bereits vor ein paar Jahren schon einmal und fand den Ort doof. Es war Frühjahr und wir fuhren an den Gardasee um in den Sommer zu flüchten. Während im Süden des Gardasees bereits tolles Wetter war musste man im Norden eine Übergangsjacke überziehen. Ein beständiger Wind ließ die eigentlich hohen Temperaturen viel kälter erscheinen.

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Jetzt ist aber Hochsommer und bei 35 Grad ist ein leichter Wind total angenehm. Die Orte an der Nordspitze sind besonders für aktive Menschen interessant. Als Startpunkt für ausgedehnte Wander- oder Mountainbiketouren oder zum Windsurfen.

Das wertet nicht nur den Strand optisch auf, sondern gibt auch eine entspannte, junge, aktive Atmosphäre im Ort. Ich fühle mich wohl, gehe viel spazieren und lasse den Tag an mir vorbeiziehen.

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Das schönste was einem nach so einer erlebnisreichen und anstrengenden Tour passieren kann: Ein Tag komplett ohne Programm.

Mein Schatten:

Auf dem Campingplatz spricht mich wieder ein Radfahrer an, wir fallen auf mit unseren kleinen Zelten zwischen den riesen Zeltcamps.

Wo ich denn herkomme und welche Tour ich gefahren bin. Wir unterhalten uns kurz, dabei rechnet mir Michael allerhand vor, er ist mir sofort sympathisch und kann seine liebe zu Zahlen und Formeln nicht verbergen. Nach einigem Gequatsche tauschen wir die Namen aus. Und während ich “Tido” sage und mich schon auf ein “Nein, nicht Tilo, nicht Timo, sondern Tido – mit d” einstelle sehe ich es in seinen Augen rattern.

Er kennt meinen Namen, und wenn er darüber nachdenkt, kennt er auch mein Zelt und das Rad – mit dem Korb – das hat er doch auch schon einmal gesehen.

Aber wir kennen uns nicht.

Und plötzlich fällt der Groschen. Klar, der Abend in Landeck mit Frank, dem Netzwerker und den vier anderen Zelten. Er ist angekommen als ich schon im Zelt lag und war der Empfänger der Worte “Tido muss schlafen”.

Lustiger Zufall. Wir reden weiter. Nächster Tag am Reschensee, gleicher Ort, anderer Campingplatz, nur 2 km entfernt. Der Tag darauf landeten wir beide auf dem gleichen  Campingplatz am Kalterer See, auf der gleichen Campingwiese. Wieder ein merkwürdiger Zufall, weil der eigentliche Campingplatz am Radwanderweg von mir nicht angefahren wurde, weil ich den anderen schöner fand. Er fuhr in an, weil er sich verfahren hatte.

Und nun sind wir hier, unsere Zelte nicht einmal 10 Meter voneinander entfernt, obwohl es hier im Ort viele Campingplätze gibt und dieser nicht der offensichtlichste von der Radroute ist. Wir hätten uns auch nicht getroffen, wenn er hier kein Ruhetag eingelegt hätte, während ich auf meine Urlaubsbegleitung für den zweiten Teil wartete.

Viele Zufälle, die dazu führten, dass wir uns nicht vorher gesehen haben. Und wiederum viele Zufälle die dazu führten, dass wir uns dann doch sehen. Nur zu schade, wir hätten uns schon früher treffen können und die Abende gemeinsam verbringen können.

Ich habe Michael meinen Schatten getauft (und ich hoffe, er ist mir nicht böse darum). Er ist erst immer Spätvormittags gefahren, daher war er immer kurz hinter mir.

Michael, es war mir eine Ehre!P8291277

Fazit:

Es war eine grandiose Tour und ich möchte keinen Kilometer missen.

Die Landschaft war grandios, die Wege fast immer top ausgebaut und ausgeschildert. Ich freue mich über die vielen lieben netten Menschen, die ich kennengelernt habe, seien es die langen Gespräche auf den Campingplätzen oder die vielen kurzen aber herzlichen Interaktionen – sei es nur eine herzliche Antwort, wenn ich dann doch mal wieder nach dem Weg fragen musste.

Ich liebe die ganz kleine Portion Abenteuer, dass auf sich alleingestellt sein, die direkte Auswirkung auf Entscheidungen. Alleine schon morgens nicht zu wissen, wo man abends die Zelte aufschlägt ist schon ein befreiendes Gefühl.

Auch eine Zeltplatzbekanntschaft: Einer der Macher dieser Musik

Was passierte dann?

In der Nacht startete die Berliner Reisegruppe Richtung Süden. Ich schlief aus, baute mein Zelt zusammen und lag noch ein bisschen am Strand und Mittags konnte ich endlich wieder in die übermüdeten Augen meiner Freundin schauen, die ihrem gleichermaßen glücklichen wie unrasierten Freund wiedersah.

Wir fuhren zum Campingplatz Eden und bezogen dort unser Mobilheim. Nach vielen Nächten im Zelt und mit einem Gaskocher totaler Luxus.

Wenn man das Campen mag kann ich ein Urlaub im Mobilheim nur empfehlen. Ich bin schon seit Jahren dem Anbieter Vacansoleil treu und habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Auch dieses mal wurden wir nicht enttäuscht. Der Campingplatz liegt wunderschön am Berghang und man kann sehen, dass sich Vacansoleil zusammen mit anderen Anbietern die Plätze mit der tollen Sicht gesichert hat während man aus Mobilheimen anderer Anbieter nur die Nachbarmobilheime sehen kann.

Blick von unserer Terrasse:

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Campingplatz Eden bei Nacht:

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Und dann?

Schöne Tage am Strand, in den Städten, Spieleabende, kleinere Radtouren am Gardasee, viel Sonne, Erholung, wunderschöne 10 Tage.

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29. September 2016 at 18:57 Hinterlasse einen Kommentar

Alpenüberquerung 2016 – Tag 5: Etsch-Bätsch

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Wieder starte ich früh am Morgen, wieder soll es schönes Wetter mit heißen Temperaturen geben. Um 7:30 Uhr sind es bereits 20 Grad, aber es ist noch leicht bewölkt. Also keine schöne Morgenstimmung wie die Tage zuvor, dafür etwas Entspannung für meine sonnenverwöhnte Haut.

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Es geht durch bereits sehr mediterran angehauchte Bergdörfer an der Weinstraße.

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Bereits am Tag zuvor fuhr ich immer wieder an der Etsch entlang. Der Flussradweg ist bestens ausgebaut und kreuzt immer wieder die im gleichen Tal verlaufende Autobahn und Bahntrasse.

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Toller Service:

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So mache ich schnell Kilometer, aber es ist auch weniger abwechslungsreich. Ich versuche zweimal einer etwas weiteren Kurve durch die anliegenden Dörfer zu folgen aber hier ist die Ausschilderung nicht die Beste und warum die Via Claudia hier diese Bögen schlägt ist für mich nicht erkennbar.

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Bereits kurz vor Mittags komme ich in Trento an und mache eine große Runde durch die Stadt.

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In der Planung vorher war mir aufgefallen, dass südlich von Trento kein Campingplatz mehr auffindbar ist. Ich fahre also zur Touristinformation und informiere mich dort.

Tatsächlich befindet sich bis auf eine kleine Ausnahme – nur 10 km südlich der Stadt – bis Verona kein Campingplatz mehr in fahrradfreundlicher Entfernung zum Etschtal. Ich beschließe den Campingplatz anzufahren, mein Zelt aufzuschlagen und mir danach Trento ohne Gepäck und frischgeduscht noch einmal genauer anzuschauen. Viel Zeit habe ich ja, es ist gerade erst Mittags.

Am Campingplatz, besser gesagt ein kleines Hotel mit vier Wohnmobilstellplätzen angekommen, ist leider niemand zu finden.

Die Hälfte des Campingplatzes auf einem Foto:

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Eine Frau mit Starnberger Kennzeichen steigt gerade in ihr Auto, will mir aber nicht weiterhelfen. Danke Starnberg!

Ich rufe die hinterlegte Rufnummer an. Leider sind alle Plätze reserviert. Es ist Freitag – typischer Anreisetag. Aber ca. 30 km weiter südlich in Rovereto befindet sich noch ein weiterer Campingplatz.

Die Dame am Telefon versucht mir dreimal im gebrochenen Englisch zu erklären, wie der Campingplatz heißt, aber wie in einem schlechten Film fährt in diesem Moment immer ein LKW auf der ansonsten leeren Landstraße entlang.

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Nagut, der Ort ist nicht groß, also hinfahren, durchfragen, Zelten. Hoffnung ist Alles.

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In Rovereto angekommen, frage ich mich durch, aber niemand kennt einen Campingplatz im Ort. Als eine junge Dame ihre Mutter fragt, die dem Klischee einer italienischen Omi entspricht, die jeden Stein und alle Geschichten dieser Stadt kennt – und diese auch nichts von einem Campingplatz weiß muss ich erneut umdenken.

Planänderung: Das zweite Mal heute. Improvisieren. Etwas in mir weigert sich, ein Zimmer in einer Pension zu nehmen. Auf Wildcampen habe ich keine Lust, außerdem habe ich hier eines der wenigen Verbote, die meine Freundin mir ausgesprochen hat.

Es gibt aber trotzdem noch eine Lösung: Über einen kleinen Pass kann man von Rovereto die Nordspitze des Gardasees erreichen. Das bedeutet aber ein frühzeitiges Ende der Tour, da ich die Küstenstraße aufgrund enger Tunnel und sehr viel Verkehr nicht befahren will.

Ich beschließe also in der Nachmittagshitze den kleinen Pass zum Gardasee zu fahren, eine schweißtreibende Angelegenheit:

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Es sind noch weniger als 10 km zum Gardasee, ich kämpfe mich die letzten Kilometer des Passes hoch – und hier ist er – der Campingplatz, der angeblich im Ort acht Kilometer entfernt hätte sein sollen.

Es gilt wieder eine Entscheidung zu treffen: Fahre ich nach dem Pass den Berg hinab und lande dort am Gardasee, verkürze damit meine Tour um einen Tag und über 100 km (gelbe Variante) oder komme ich hier, kurz vorm Gardasee unter, fahre morgen wieder runter zur Etsch und von dort an den Süden des Gardasees (blaue Variante)?

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Bei schweren Entscheidungen hilft oft eine Münze. Viele Menschen werfen diese, ich mache es mir einfacher: Mir fehlt eine Münze. Ich studiere die Campingplatzgebühren, es ist nur Barzahlung möglich und ich habe es in den Wirren des Tages versäumt meine Barbestände aufzufüllen. Der angrenzende Ort sieht nicht groß genug für ein Geldautomat aus. Mir fehlt genau ein Euro.

Damit ist die Entscheidung gefallen und ich fahre weiter…

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Die Kilometerangaben der Wegweiser sind jetzt weit unten im einstelligen Bereich. Ich werde immer hibbeliger und verusche hinter jeder Bergkuppe, hinter jedem Felsen den Gardasee zu erspähen.

Und plötzlich ist es soweit:

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Ich fahre zum erstbesten Aussichtspunkt. Mit zittrigen Händen greife ich meine Kamera, mache Fotos, greife mein Handy, will diesen Moment mit lieben Menschen teilen.

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Ich bin angekommen! Zwar nicht so wie geplant, aber das ist jetzt egal. Bisher ist keiner meiner Radtouren nach Plan verlaufen und gerade für dieses Abenteuer, für dieses nicht wissen was passiert – aber es wird schön – liebe ich diese Touren.

Und wenn ich mich auf den letzten Metern nicht zu dumm anstelle verlief alles zwar nicht bei bester Gesundheit, dafür bei besten Wetter und Pannen- sowie Unfallfrei.

In Turbel angekommen sind viele Campingplätze und ich fahre etwas planlos durch den Ort. Ich fahre einen Campingplatz an, aber dort steht schon draußen ein großes Schild, dass alle Plätze belegt sind – Hauptsaison – klar.

Am zweiten Platz mit dem gleichen Schild versehen versuche ich trotzdem mein Glück. Meistens, so auch hier, klappt es. Logisch, ein Radfahrer hat kein großes Wohnzelt mit mehreren Zimmern dabei, da kommt man immer irgendwo unter.

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Ich baue mein Zelt auf und fühle mich rundum wohl, stolz und glücklich. Ich bin mit dem Fahrrad von München an den Gardasee gefahren – und klar, es war anstrengend, aber es hat mich nie überfordert, immer Spaß gemacht. Die Etappen waren nie zu lang. Und das Beste: Bereits übermorgen sehe ich meine Freundin wieder und dann beginnt der zweite, entspannte Teil meines Urlaubs.

Im letzten Teil dieses Reiseberichts ziehe ich ein Fazit, schreibe ein bisschen über den entspannteren, (langweiligeren Zwinkerndes Smiley) Teil meines Urlaubs und lerne meinen Schatten kennen.

Tageskilometer 108 km
Gesamtkilometer 509 km
Tagesfahrtzeit 6:08 h
Gesamtfahrtzeit 30:10 h

22. September 2016 at 18:27 Hinterlasse einen Kommentar

Alpenüberquerung 2016 – Tag 4: Vom Reschensee zum Kalterer See

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Leicht benebelt vom vorherigen Abend stehe ich wieder sehr früh auf. Auch der Wetterbericht für den heutigen Tag klingt wieder fabelhaft: Den ganzen Tag Sonnenschein und weit über 30 Grad.

Ich stehe morgens früh auf. Der Akku meines Handys ist leer und ich versuche diesen während ich Dusche an der Steckdose wieder mit Strom zu füttern. Aber das Smartphone gibt kein Lebenszeichen von sich. Gegentests zeigen, dass Ladegerät und Steckdose in Ordnung sind.

Ich muss also in Meran ein neues Handy kaufen, denn ohne Musik- und Podcastabspielgerät – und viel wichtiger: Kommunikationsmittel zur Freundin und für Notfälle, will ich nicht weiterfahren.

Nachdem ich mein Zugangsschlüssel für die Sanitäranlagen in die Abgabebox geworfen habe fällt mir ein, dass ich mein Handtuch im Trockenraum vergessen habe. In diesem Moment bemerke ich das erste mal bewusst die absolute Ruhe und Ausgeglichenheit in mir. Eigentlich würde mich die Warterei, bis jemand die Sanitäranlagen betritt und der Einschnitt in die Reisekasse, die der Erwerb eines neuen Smartphones bedeutet, wütend machen. Aber ich bin ganz ruhig. Schön!P8251149

Bereits um kurz nach sieben Uhr morgens sitze ich wieder auf dem Fahrrad, aber treten muss ich nicht. Es fühlt sich an, als habe in der Nacht jemand ein Motor an mein Fahrrad gebaut.

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Es geht immer weiter bergab über tolle Radwege durch Felder und kleine Bergdörfer, die aber schon italienisch angehaucht sind.

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Die ersten Sonnenstrahlen…

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Und auch mein Handy, dass ich während der Fahrt weiter mit Strom vom Nabendynamo versorge erwacht aus der Tiefentladung des Akkus. Glück gehabt, einen Haufen Geld und Neueinrichtungsaufwand gespart. Ein schöner Tag.

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Nach den steilen Passagen bin ich im Vinschgau angekommen, bekannt für die vielen Obstplantagen. Hier geht es nur noch leicht bergab – so dass ich entspannt in die Pedale trete, aber trotzdem schnell vorrankomme.

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Das Anlegen der Radwege wird für die Planer kein großes Problem gewesen sein. Zwischen den Obstfeldern befinden sich immer wieder kleine Wirtschaftswege, diese mussten nur entsprechend Asphaltiert werden.

Und während ich in den nördlicheren Alpen oft anhalten musste, wenn ein Trecker passieren wollte, sind diese hier so schmal gehalten, dass diese nur den halben Weg einnehmen.

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Toller Service: Man will ja wissen wie die Umgebung schmeckt Smiley.

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Kurz vor Meran sehe ich die erste Palme:

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Meran fasziniert mich: Es liegt mitten in den Bergen, hat aber eine entspannte italienische Atmosphäre.

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Bozen lasse ich links liegen:

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Die kühlen Tunnel sind beim Fahren eine willkommene Abkühlung.

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Kurz vorm Ziel: Der Kalterer See ist schon in Sicht.

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Kurz vorm Campingplatz schaffe ich es dann doch noch mich zu verfahren und umrunde unnötigerweise einmal den See. Ich komme auf dem Campingplatz Franz Joseph unter. Es gibt zwar noch einen zweiten Platz, der direkt am Fahrradweg liegt, aber ich hatte in der Planung schon gesehen, dass dieser Platz einen schönen Badesteg hat. Hier lasse ich auch den Nachmittag ausklingen.

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Tageskilometer 123 km
Gesamtkilometer 401 km
Tagesfahrtzeit 6:11 h
Gesamtfahrtzeit 24:02 h

19. September 2016 at 18:58 Hinterlasse einen Kommentar

Alpenüberquerung 2016 – Tag 3: Über den Reschenpass von Landeck an den Reschensee

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Ich stehe um 5:40 Uhr auf, gönne mir eine heiße Dusche und baue mein Zelt zusammen. Um 7 Uhr sitze ich bereits auf dem Fahrrad. Die Wettervorhersage des heutigen Tages macht mir Angst: Nachmittags 33 Grad. Mein Plan ist die meisten Kilometer Vormittags zu Fahren und den heißen Nachmittag gemütlich auf dem Zeltplatz zu verbringen.

Morgenstimmung:

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Schöne Innüberquerung:

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Unschöne Innüberquerung:

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Tolle morgendliche Stimmung:

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Nun folgt der zweite große Pass der Alpenüberquerung und damit auch der höchste Punkt der Tour. Statt der verkehrsreichen Variante über den Reschenpass fahre ich über die mit etwas mehr Höhenmeter verbundene Straße bei Nauders und komme dabei kurz durch die Schweiz. Der Pass mit seinen 11 Kehren ist zwar anstrengend aber innerhalb von einer Stunde geschafft. Ich mache keine Pausen, weil ich am meisten Angst vor dem Wiederlosfahren habe, deshalb keine Fotos Smiley.

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Die letzten Meter:

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… und es geht abwärts…

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In Nauders angekommen mache ich an der Seilbahn eine lange Pause.

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Kurz nach der Pause erreiche ich Italien:

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Einige Höhenmeter später erspähe ich das erste mal den wunderschönen Reschensee:

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Der Radweg auf der westlichen Seite wurde gerade neu gebaut und trotz der einigen Höhenmeter mehr lohnt sich diese Variante.

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Blick auf mein Campingdorf:

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Das schöne: Ab hier geht es ca. 100 km nur noch abwärts.

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Ich komme auf einem Campingplatz in St. Valentin unter. Nachdem ich im hauseigenen Restaurant eine Pizza gegessen habe, baut auf dem Campingplatz neben meinem Zelt Fizz sein Zelt auf. Er ist für ein verlängertes Wochenende hier und möchte ein Kitesurfkurs belegen. 20160824_172042

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Wir trinken mangels Einkaufsmöglichkeiten Bier aus dem Restaurant zum Restaurantpreis auf dem Campingplatz und führen tiefgreifende Gespräche. 20160824_163448

Es werden nicht wenige der Fünfeuroweizen bis ich in mein Zelt schlüpfe.

Tageskilometer 77 km
Gesamtkilometer 278 km
Tagesfahrtzeit 5:18 h
Gesamtfahrtzeit 17:51 h

15. September 2016 at 11:19 Hinterlasse einen Kommentar

Alpenüberquerung 2016 – Tag 2: Über den Fernpass von Garmisch nach Landeck

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Die Nacht war sehr kalt und klamm. Ich zog viele Schichten Kleidung an um die Nacht im Sommerschlafsack zu überstehen. Dabei kam natürlich die Angst auf, mir durch die Kälte noch eine weitere Krankheit einzufangen.

Aber: Ab heute soll das Wetter besser werden und bereits früh strahlt die Sonne mit ordentlich Kraft die klatschnasse Zelthülle trocken.

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Ich starte gegen 8:30 Uhr und kämpfe gegen eine schwache, fast nicht sichtbare aber stundenlang existente Steigung an.

Während der Loisachradweg in Deutschland sehr gut ausgebaut ist, kann man ihn in Österreich wohlwollend als naturbelassener bezeichnen.

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Kurz vor Ehrwald:

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Bevor ich in Ehrwald auf die Via Claudia Augusta fahre mache ich noch eine lange gemütliche Mittagspause. Denn ich weiß noch nicht genau, was mir bevor steht, ich weiß nur, dass es anstrengend wird: Der Fernpass beginnt.P8231067

Ich habe nun drei Möglichkeiten um den Fernpass zu überqueren:

1. Die verkehrsreiche Fernpassstraße

2. Mit einem Pendelbus die Fernpasspassage überspringen.

3. Die Mountainbikestrecke mit grobem Schotter und fiesen Steigungen.

Ich wähle Variante 3 und muss manchmal Bergauf- wie Bergab schieben. Aber verliere trotzdem nicht die gute Laune. Die Passage direkt durch die Berge an wunderschönen Landschaften vorbei, immer das beeindruckende Zugspitzmassiv im Rücken ist eine schöne Erfahrung,

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Auch Bergab fahre ich nicht schneller als 10 km/h, eher um die 6 km/h. Mit dem ungefederten Trekkingfahrrad ist auf diesem Terrain einfach nicht mehr drin.

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Es ist aber alles halb so schlimm. In der Vorbereitung habe ich viel Ehrfurcht vor dem Fernpass aufgebaut. Aber in den paar Stunden war mehr Faszination da, als das die Umstände nerven können.

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Wieder “unten” angekommen fahre ich der Inn folgend bis nach Landeck.

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Auf der Strecke entdecke ich auch den hässlichsten Jausenplatz meiner Tour:

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Der Campingplatz  in Landeck ist familiär gemütlich. Auf unserer Zeltwiese mit drei Campern, alle Fahrradfahrer lerne ich Frank, den Netzwerker, kennen. Er kommt mit allen Gespräch und schnell baut sich eine kleine gemütliche Runde auf.

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Bei Dunkelheit gehe ich ins Bett, höre aber von da aus noch einigen Gesprächen zu und bekomme noch mit wie ein weiterer Radwanderer ankommt. Auch mit ihm wird noch gesprochen und eines der letzten Worte die ich höre sind: “Wir müssen etwas ruhiger sein, Tido will schlafen”. Tido muss schlafen, der nächste Pass wartet schon am nächsten Tag auf ihn. Gute Nacht!

Tageskilometer 77 km
Gesamtkilometer 201 km
Tagesfahrtzeit 5:08 h
Gesamtfahrtzeit 12:03 h

12. September 2016 at 08:46 Hinterlasse einen Kommentar

Alpenüberquerung 2016 – Tag 1: München -> Garmisch

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Sonntagabend, kurz vor 21 Uhr: Meine Erkältung macht mich gerade fertig und ich hoffe das dies der schlimmste Tag ist. Gefühlt ist er es. Oder ist das nur der Vorbote etwas Schlimmeres – eines Virusinfekts oder einer Grippe? Die Körpertemperatur ist noch im normalen Bereich.

Ich muss eine schwierige Entscheidung treffen: Zuhause bleiben, mich auskurieren oder einer der größten Abenteuer starten? Mir ist nach schlafen, auskurieren. Aber ich weiß genau, dass ich mich stark ärgere, wenn es mir morgen schon wieder besser geht.

Ich denke im Worst-Case Szenario: Was kann schlimmstenfalls passieren. Wenn es mir die nächsten Tage schlechter geht kann ich jederzeit abbrechen, schließlich durchstreife ich nicht den Dschungel sondern dichtbevölkerte Bergtäler die hauptsächlich vom Tourismus leben.

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Um 21:30 steige ich auf das Fahrrad, verspreche meiner Freundin hoch und heilig auf mich aufzupassen und fahre durch das kalte, dunkle Berlin zum ZOB. Es macht wenig Spaß, aber der Kreislauf macht mit und ich bin das erste mal an diesem Tag guter Dinge, eine Hoffnung keimt auf, dass es die richtige Entscheidung ist. Etwas zu wagen.

Um 23 Uhr fährt mein Bus Richtung München ab. Ich schlafe schlecht, aber das wusste ich ja vorher. Um kurz vor 8 Uhr morgens komme ich reichlich gerädert (sorry) in München an.  P8221014

Trotz der Strapazen der Nacht spüre ich das da was geht, dass mein Körper wieder mehr Kraft liefert und ich fahre, wenn auch im Schonmodus an der Isar entlang Richtung Süden.

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Aus dem anfänglich städtischem Radweg mit ordentlich Radverkehr wird schnell eine grobe Kiesstrecke mit einigen Höhenmetern, die offiziell gesperrt ist.

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Später ist der Radweg wieder besser ausgebaut und ich folge dem Isarradweg und dem Loisachradweg.

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Warum starte ich meine Alpenüberquerung in München und nicht gleich in den Eingangstoren zu den Alpen wie etwa Füssen oder Garmisch?

Jedes mal wenn es in die Alpen oder weiter Südlich geht habe ich die Anfahrt an die Alpen am meisten genossen. Wenn am Horizont eine dunkle Wand aus Fels auftaucht, die Ausstrahlt: Hier kommst du nicht durch. Das will ich auch diesmal auf dem Fahrrad erleben und so ist meine Freude groß, als ich das erste mal die beschriebene Wand vor mir sehe:

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Mittags döse ich in Kochel am See vor mich hin und bin den Bergen schon ganz nahe.

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Endlich kommt das Gefühl auf in den Bergen unterwegs zu sein und ich genieße Kilometer für Kilometer.

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Kurz vor Garmisch erlebe ich das erste mal die perfekten Alpenradwege. Schöner Belag, absolut Autofrei und durch wunderschöne Landschaften. Garmisch als Ort erscheint mir hingegen als sehr Fahrradunfreundlich – hier habe ich mich verfahren und oft im Durchgangsverkehr auf spontan endenden Radwegen wiedergefunden.

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Ein ähnliches Gefühl hatte ich auch auf dem Campingplatz. Eigentlich total schön gelegen – wenn da nicht die laute Durchfahrtsstraße, nur eine Lärmschutzwand entfernt, Tag und Nacht rauschen würde.

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Ich nutzte den Abend für Einkäufe. Kurz kommt die Idee auf, mit dem Bus noch kurz in die Stadt zu fahren aufgrund der eigentlich nicht vorhandenen letzten Nacht entscheide ich mich aber für die gemütlichere Variante und bleibe auf dem Zeltplatz

Tageskilometer 123 km
Gesamtkilometer 123 km
Tagesfahrtzeit 6:55 h
Gesamtfahrtzeit 6:55 h

8. September 2016 at 19:41 Hinterlasse einen Kommentar

Norddeutschlandradtour 2015: Teil 6 – Kollmar – Walsrode

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Obwohl der innere Regenschutz des Zeltes noch vom Niederschlag in Kühlungsborn sehr nass war, blieb es im Zelt doch angenehm trocken.

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Nachdem ich mich im Supermarkt in Kollmar, der nicht größer als 10 qm groß war, mit Frühstück eingedeckt hatte machte ich mich wieder auf den Weg. Es sollte immer der Elbe entlang bis nach Hamburg und von da aus weiter nach Walsrode gehen.

Wir erinnern uns: Eigentlich wollte ich es bereits am Vortag bis nach Hamburg schaffen, entschied mich aber spontan in Kollmar zu bleiben. Nur drei Kilometer hinter dem Campingplatz stand ich nun vor einer Schranke. Es handelte sich um eine Brücke, bei dieser hat der Schiffsverkehr Vorrang. Fußgänger und Fahrradfahrer können diesen Übergang nur zu bestimmten Zeiten passieren.

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Hätte ich nicht am Vortag abgebrochen, hätte ich einen großen Umweg fahren müssen, was meine Motivation komplett gebrochen hätte. Wieder einmal froh über die Entscheidung und der Flexibilität, die so ein Zelt bietet machte ich hier eine Zwangsfrühstückpause. Nachdem die Brücke freigegeben wurde und ich einige Kilometer später eine zweite Anlage dieser Art passierte, führte die Strecke immer weiter entlang des Elbdeiches…

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… und irgendwann, 2000 Schafe später, erreichte ich die Peripherie Hamburgs. Über Wedel und Blankenese…

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… und schiebenderweise durch den schönen Kontrast am Elbstrand zwischen Fischerhäuschen und Hafenindustrie…

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… erreichte ich den Fischmarkt. Frisch gestärkt mit einem Fischbrötchen einer Currywurst fuhr ich zu den Landungsbrücken um mich gleich wieder von Hamburg zu verabschieden.

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Mit der Fähre fuhr ich nun die Strecke, die ich zuvor mit dem Fahrrad durch Hamburg abgefahren war wieder zurück, legte aber auf der anderen Elbseite an und sparte mir somit einige Kilometer Stadtverkehr.

Die Fähre gehört zum öffentlichen Nahverkehr und während in Bahnen und Bussen der Verzehr von alkoholischen Getränken verboten ist, wird hier sogar Hochprozentiges verkauft. Entsprechend war hier auch eine Gruppe Alkis an Bord, die ich sonst nur aus Berliner U- und S-Bahnen kenne.

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An den Airbuswerken in FInkenwerder vorbei machte ich ich auf den Weg nach Walsrode. Die Strecke war eher unspektakulär und ich konnte mir Zeit lassen. Mein Freund, Fahrrad- und Trinkbegleitung für die nächsten Tage kam erst um 22:30 aus seiner Spätschicht.

Trotz offensiver Trödelei war ich zu früh, wusste aber die Zeit zu nutzen und mich für die Strapazen des Tages zu belohnen. 🙂

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Damit war ich zwei Tage nacheinander jeweils 154 km gefahren, brauchte aber am zweiten Tag zwei Minuten länger, es setzen sich also erste Ermüdungserscheinungen ein :).

Distanz (km) 154
Zeit (h) 8:28
Durschnitt (km/h) 18,24
Gesamt (km) 798

5. September 2015 at 11:54 Hinterlasse einen Kommentar

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